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Galerie Carlier Gebauer


Markgrafenstraße 67
10969 Berlin
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Di-Sa 11.00-18.00 Uhr

vertretene Künstler

Paul Pfeiffer

Paul Pfeiffer in Conversation

06.09.2008 - 11.10.2008
Ausgebildet am Hunter College (NYC), sowie im Independent Study Programm des Whitney Museums (NYC) zählt Pfeiffer in den USA zu den wichtigsten Videokünstlern seiner Generation. 2006 und 2007 waren seine Arbeiten unter anderem in New York im MoMA, im Guggenheim, sowie im P.S.1 zu sehen. Darüber hinaus realisierte er 2007 für ArtAngel (London) die Arbeit The Saints. Derzeit ist Pfeiffer auf der Sydney Biennale, sowie im San Francisco Museum of Modern Art vertreten. Ende September eröffnet im MUSAC León Monologue, seine erste umfassende Überblicksausstellung in Spanien. In der Ausstellung bei carlier|gebauer wird Pfeiffer drei neuere Arbeiten zeigen, zwei davon erstmalig. Bei Live from Neverland, 2006, Caryatid (Red, Yellow, Blue), 2008 und Cross Hall, 2008, handelt es sich um Videoarbeiten, bei denen der Objektcharakter der Installation eine entscheidende Rolle einnimmt. Pfeiffers Arbeit reflektiert Videoformate der gegenwärtigen Massenmedien. Fernsehformate, ebenso dasjenige der allgegenwärtigen Überwachungskameras, welche beide unseren Alltag begleiten, werden auf ihr Ursprung hin untersucht. Bei Pfeiffer werden diese dominanten medialen Wahrnehmungsapparate zum Ausgangspunkt grundlegender künstlerischer Neubearbeitung. Massenmediale Ereignisse und Embleme der Gegenwartskultur befragt er nach den alltäglichen Hierarchisierungen und Bewertungen der Personen und Räume, welche sie aufzeichnen. Dies geschieht oftmals durch künstlerische Techniken der Isolierung: durch die Entfernung der Person aus dem Bild, ihre Isolierung aus dem sie einbettenden Kontext, die Wiederholung bedeutungstragender Räume. Pfeiffers Arbeiten lassen das Unheimliche und Archetypische aus dem scheinbar Alltäglichen hervortreten. Seine Kunst negiert den scheinbar unhinterfragbaren Vorrang des Visuellen, indem sie es unter neuen Vorzeichen rekonstruiert. Cross Hall, 2008 konfrontiert seine Betrachter mit der wandfüllenden Live-Übertragung zweier Überwachungsbilder. Vom Ende eines neoklassizistischen Korridors, sowie aus einem an ihn angrenzenden Raum, wird der menschenleere Durchgang aufgezeichnet. Hinter der Projektionsfläche und für die Betrachter nur durch ein Guckloch einsehbar, steht ein Diorama, ein Model dieses repräsentativen Korridors. Der eigentliche Raum bleibt im Verborgenen, während die Perspektive der Überwachungskameras die sichtbare Realität definiert und sie durch die Projektion konstruiert. Die auf drei verchromten Monitoren präsentierte Videoarbeit Caryatid (Red, Yellow, Blue), 2008 ist Teil einer Serie von Produktionen, in der Pfeiffer Wiedergänger und Abwandlung der antiken Figur der Karyatiden zusammensetzt. Ehemals Trägerfiguren antiker Tempel, verlassen sie in Pfeiffers Arbeiten ihre Stellung und werden, wie in Caryatid, 2000 aus dem Bild ausradiert oder wie in der aktuellen Arbeit, im Sturz verwundet und zusammenbrechend ins Bild genommen. Wo in der Videoarbeit von 2000 von den siegreichen Basketballspielern nurmehr die Trophäe bleibt, scheinbar schwebend im Raum, werden in Caryatid (Red, Yellow, Blue), 2008 Fussballspieler gezeigt, die gefoult zu Boden stürzen. Auf drei Monitoren wird das Bild nach den Primärfarben rot, gelb und blau aufgefächert und damit in seine technischen Bestandteile zerlegt. Eine Rückführung des Videobildes auf eine malerische Aufgabenstellung, wie sie Barnett Newman in zahlreichen Variationen deklinierte. Zugleich werden diese geloopeten Fernsehaufnahmen zeitgenössischer Helden zum ewig wiederkehrenden Moment ihres tragischen wie unvermeidlichen Scheiterns. In Live from Neverland, 2006 wird eine der meistgesehenen Fernsehdokumentation der letzten Jahre zugespitzt. Aus dem von siebenundzwanzig Millionen Amerikanern verfolgten Fernsehbericht „Living with Michael Jackson“ filterte Pfeiffer diejenigen elf Minuten heraus, in denen Michael Jackson darüber spricht, dass er auf seinem Anwesen „Neverland“ mit mehreren Kindern sein Bett geteilt habe. Es waren diese Aufnahmen, welche zu der gegen Jackson erhobenen Anklage wegen sexuellen Missbrauchs führten. Pfeiffer zeigt Jacksons Rede tonlos auf einem Monitor und lässt sie zugleich auf einer wandfüllenden Videoprojektion, von einem Chor begleiten. Die Gruppe von rund 80 Sängerinnen und Sängern rezitieren Jacksons Rede vollständig synchron zu dessen Mundbewegung, in der antiken Form eines griechischen Chors. Auch hier ist der räumliche Aufbau der Arbeit entscheidend für ihre Wahrnehmung und auch hier werden antike Figuren als Fixpunkt eingeführt, anhand dessen die Gegenwart reinszeniert wird.

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