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Aurel Scheibler Berlin

Stadtplan
Schöneberger Ufer 71
10785 Berlin
Tel.: 030 25 93 86 07
Homepage

Norbert Kricke

20.09.2014 - 30.11.2014
 

Am 19. September eröffnet Aurel Scheibler eine Ausstellung, die dem Bildhauer und Zeichner Norbert Kricke (1922 - 1984) gewidmet ist. Mit dieser Ausstellung wird das Werk eines der bahnbrechendsten und wichtigsten Bildhauer der Nachkriegszeit erstmals in einer Einzelausstellung in Berlin vorgestellt. Die Ausstellung konzentriert sich auf Skulpturen und Zeichnungen der 1950er und der 1970er Jahre und gibt dem Zusammenhang der frühen Arbeiten mit dem Spätwerk seine eigene Bedeutung.
Geboren 1922 in Düsseldorf, gehört Kricke der Generation von Künstlern an, die sich nach dem zweiten Weltkrieg auf die Suche nach einem Neuanfang machte. Abhängig von Kontext, Hintergrund und persönlichen Umständen reagierte diese Generation ganz unterschiedlich auf die wiedererlangte Freiheit . Entscheidende Anregungen empfing Kricke von Kandinsky, den Künstlern des Konstruktivismus und Kasimir Malewitsch. Er öffnete die Plastik für weiterführende Entwicklungen in einer Zeit, die weitgehend noch mit der Rezeption des Expressionismus befasst war. Anfang der 1950er Jahre gelingt es Kricke, die Kompaktheit, das Volumen, das die Bildhauerei lange geprägt hatte, aufzubrechen. Ab diesem Zeitpunkt gestaltet er lineare, manchmal farblich akzentuierte Strukturen. Sie suggerieren Schwerelosigkeit und Bewegung. Damit wird der Raum für die Wahrnehmung des Betrachters geöffnet. Kricke findet zu jener Problematik, die sein Denken von nun an nahezu ausschließ lich bestimmen sollte: die Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Bewegung und Raum. Während Calder die reale Bewegung in seinen Mobiles einbrachte, galt es für Kricke von Anfang an, die den Raum erschließende Bewegung in der Plastik zu gestalten. Seine künstlerische Intention formulierte Kricke wie folgt: “Mein Problem ist nicht Masse, ist nicht Figur, sondern es ist der Raum, und es ist die Bewegung – Raum und Zeit. Ich will keinen realen Raum und keine reale Bewegung (Mobile), ich will Bewegung darstellen. Ich suche der Einheit von Raum und Zeit eine Form zu geben."
Von der Linie ausgehend, erschließt er durch rechtwinkligen Richtungswechsel den Raum. Die Linie begrenzt nicht, sie zeigt den Raum als offen und entzieht ihn jedem Versuch einer Definition oder Messbarkeit.
Die Zeichnungen, die neben dem bildhauerischen Werk entstehen , versteht Kricke nie als Skizzen oder Vo rstudien zu Skulpturen, sie formen vielmehr einen autonomen und wichtigen Teil seines künstlerischen Schaffens. Es ist das Zeichnen, die Handlung des Zeichnens, das ihn am direktesten und am tiefsten mit dem Element verbindet, welches der Kern seines Werkes ist: der Linie. In Krickes Arbeit hat die Linie sinnliche Präsenz, sie suggeriert Bewegung und Raum, Dynamik und Fülle. Die Quelle dieser Linie und letztendlich der Ursprung von Krickes gesamtem Schaffen, ist der Körper als reine Inkarnation vom Spiel der Bewegung. Es ist der Körper, der unsere Koordinaten für das Raumerlebnis setzt und Kricke nutzt diese Grundvoraussetzung bewusst als Referenzpunkt für die Kreation seiner Skulpturen und seiner Zeichnungen. Folgt man seinen Linien, dann folgt man der Bewegung seines zeichnenden Armes, wie er methodisch und rhythmisch über das Blatt schweift um Energie, Tiefe, Wachheit und Spannung hervorzurufen. Zwischen Skulptur und Zeichnung besteht keine Hierarchie, für Kricke existieren sie gleichberechtigt nebeneinander. Beide verwandeln das Schwere in Leichtigkeit. Beide bieten die existentielle Erfahrung unseres `Seins in der Welt ́ und letztlich ein Gefühl der Freiheit .

Öffnungszeiten:
Di-Sa 11.00-18.00 Uhr
u.n.V.