Staatsoper Hannover, Foto: Marek Kruszewski
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Staatsoper Hannover - Niedersächsisches Staatstheater

Yamato Show (Foto: Masa Ogawa)
Yamato Show (Foto: Masa Ogawa)

Opernplatz 1
30195 Hannover
Tel.: 0511 9999 00
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Mefistofele

Arrigo Boito
Staatsoper Hannover - Niedersächsisches Staatstheater
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	Johann Wolfgang von Goethe hat sich seinen »Faust« mit Musik gedacht. Lieder und Chöre gibt es in der Tragödie Erstem und Zweitem Teil, manche Passagen haben geradezu librettistischen Charakter. Doch schien dem Dichterfürsten selbst die Vertonung seines Lebenswerkes, an dem er von den ersten Skizzen zum Urfaust bis zur Vollendung des »Faust II« kurz vor seinem Tod fast 60 Jahre arbeitete, »ganz unmöglich«, denn: »Das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was sie stellenweise enthalten müßte, ist der Zeit zuwider« (so im Gespräch mit Eckermann 1829).<br />
	Wie sollte eine Musik klingen, die dem Geisteswerk Faust gerecht würde? Diesem »größten Gedicht der Deutschen« (Thomas Mann), das Gott, Mensch und Teufel auf die Bühne bringt und den historischen Brückenschlag von der Antike bis ins späte Mittelalter wagt.<br />
	Wie sollte eine Musik gebaut sein, die das Gesamtkunstwerk »Faust« in Töne fassen könnte? Seine metrische Vielfalt, vom Knittelvers über den Alexandriner bis zu ungebundener Prosa, seine Vielgestalt dramatischer Genres und Spieltraditionen,vom bürgerlichen Trauerspiel der Gretchen-Tragödie bis zum antiken Drama der Helena-Handlung, mit Einflüssen von Volkstheater und Puppenbühne, Mysterienspiel und Zauberposse.<br />
	Wie könnte eine Musik bestehen neben der Kraft des Textes und der Popularität seiner geflügelten Worte? Wie klängen die zwei Seelen, ach, in der Brust oder der Augenblick, zum Verweilen schön? Würde des Pudels Kern in der Vertonung offenbar werden oder graue Theorie bleiben? Deutschsprachige Komponisten haben sich auf das Wagnis einer Faust-Oper nicht eingelassen, sondern es bei einer Ouvertüre (Richard Wagner), Szenen (Robert Schumann) und Liedvertonungen (Franz Schubert bis Paul Dessau) belassen. Jenseits der Grenzen hatte man weniger Scheu, nach den Franzosen Hector Berlioz (»La Damnation de Faust«, 1846) und Charles Gounod (»Faust«, 1859) nahm Arrigo Boito in Mailand das Mammutwerk in Angriff. Dabei war Boito der erste, der auch »der Tragödie Zweiten Teil« berücksichtigte und den Bogen vom Prolog im Himmel bis zu Fausts Tod schlug. Und mag der geänderte Titel irritieren, so kann man dem späteren Librettisten von Verdis »Otello« und »Falstaff« doch nicht vorwerfen, leichtfertig mit der Vorlage umgegangen zu sein. Im Gegenteil: In der Veröffentlichung seines Librettos wies Boito akribisch nach, wie und warum er den Text gekürzt hatte. Die Nähe zur Vorlage macht das Textbuch von »Mefistofele« zu einem modernen Libretto, das sich von der Poetik der Nummernoper befreit.<br />
	Doch die Premiere an der Mailänder Scala 1868 mit einer Spieldauer von über fünfeinhalb Stunden fiel durch; als Librettist, Komponist und Dirigent in einer Person war der 26-jährige Boito schlicht überfordert gewesen. Erst die gestraffte Neufassung von 1875 machte das Werk zu einem Erfolgsstück. In dieser Fassung tritt Boito uns heute noch als italienischer Opern-Reformer entgegen, der die Fülle des Faust-Stoffes vielgestaltig und mitreißend zum Klingen bringt, der Goethes Figuren in ihrem Symbolcharakter begreift und sie doch musikalisch in großartigen Rollenporträts konkretisiert.</p>

Johann Wolfgang von Goethe hat sich seinen »Faust« mit Musik gedacht. Lieder und Chöre gibt es in der Tragödie Erstem und Zweitem Teil, manche Passagen haben geradezu librettistischen Charakter. Doch schien dem Dichterfürsten selbst die Vertonung seines Lebenswerkes, an dem er von den ersten Skizzen zum Urfaust bis zur Vollendung des »Faust II« kurz vor seinem Tod fast 60 Jahre arbeitete, »ganz unmöglich«, denn: »Das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was sie stellenweise enthalten müßte, ist der Zeit zuwider« (so im Gespräch mit Eckermann 1829).
Wie sollte eine Musik klingen, die dem Geisteswerk Faust gerecht würde? Diesem »größten Gedicht der Deutschen« (Thomas Mann), das Gott, Mensch und Teufel auf die Bühne bringt und den historischen Brückenschlag von der Antike bis ins späte Mittelalter wagt.
Wie sollte eine Musik gebaut sein, die das Gesamtkunstwerk »Faust« in Töne fassen könnte? Seine metrische Vielfalt, vom Knittelvers über den Alexandriner bis zu ungebundener Prosa, seine Vielgestalt dramatischer Genres und Spieltraditionen,vom bürgerlichen Trauerspiel der Gretchen-Tragödie bis zum antiken Drama der Helena-Handlung, mit Einflüssen von Volkstheater und Puppenbühne, Mysterienspiel und Zauberposse.
Wie könnte eine Musik bestehen neben der Kraft des Textes und der Popularität seiner geflügelten Worte? Wie klängen die zwei Seelen, ach, in der Brust oder der Augenblick, zum Verweilen schön? Würde des Pudels Kern in der Vertonung offenbar werden oder graue Theorie bleiben? Deutschsprachige Komponisten haben sich auf das Wagnis einer Faust-Oper nicht eingelassen, sondern es bei einer Ouvertüre (Richard Wagner), Szenen (Robert Schumann) und Liedvertonungen (Franz Schubert bis Paul Dessau) belassen. Jenseits der Grenzen hatte man weniger Scheu, nach den Franzosen Hector Berlioz (»La Damnation de Faust«, 1846) und Charles Gounod (»Faust«, 1859) nahm Arrigo Boito in Mailand das Mammutwerk in Angriff. Dabei war Boito der erste, der auch »der Tragödie Zweiten Teil« berücksichtigte und den Bogen vom Prolog im Himmel bis zu Fausts Tod schlug. Und mag der geänderte Titel irritieren, so kann man dem späteren Librettisten von Verdis »Otello« und »Falstaff« doch nicht vorwerfen, leichtfertig mit der Vorlage umgegangen zu sein. Im Gegenteil: In der Veröffentlichung seines Librettos wies Boito akribisch nach, wie und warum er den Text gekürzt hatte. Die Nähe zur Vorlage macht das Textbuch von »Mefistofele« zu einem modernen Libretto, das sich von der Poetik der Nummernoper befreit.
Doch die Premiere an der Mailänder Scala 1868 mit einer Spieldauer von über fünfeinhalb Stunden fiel durch; als Librettist, Komponist und Dirigent in einer Person war der 26-jährige Boito schlicht überfordert gewesen. Erst die gestraffte Neufassung von 1875 machte das Werk zu einem Erfolgsstück. In dieser Fassung tritt Boito uns heute noch als italienischer Opern-Reformer entgegen, der die Fülle des Faust-Stoffes vielgestaltig und mitreißend zum Klingen bringt, der Goethes Figuren in ihrem Symbolcharakter begreift und sie doch musikalisch in großartigen Rollenporträts konkretisiert.


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Johann Wolfgang von Goethe hat sich seinen »Faust« mit Musik gedacht. Lieder und Chöre gibt es in der Tragödie Erstem und Zweitem Teil, manche Passagen haben geradezu librettistischen Charakter. Doch schien dem Dichterfürsten selbst die Vertonung seines Lebenswerkes, an dem er von den ersten Skizzen zum Urfaust bis zur Vollendung des »Faust II« kurz vor seinem Tod fast 60 Jahre arbeitete, »ganz unmöglich«, denn: »Das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was sie stellenweise enthalten müßte, ist der Zeit zuwider« (so im Gespräch mit Eckermann 1829).

Wie sollte eine Musik klingen, die dem Geisteswerk Faust gerecht würde? Diesem »größten Gedicht der Deutschen« (Thomas Mann), das Gott, Mensch und Teufel auf die Bühne bringt und den historischen Brückenschlag von der Antike bis ins späte Mittelalter wagt.

Wie sollte eine Musik gebaut sein, die das Gesamtkunstwerk »Faust« in Töne fassen könnte? Seine metrische Vielfalt, vom Knittelvers über den Alexandriner bis zu ungebundener Prosa, seine Vielgestalt dramatischer Genres und Spieltraditionen,vom bürgerlichen Trauerspiel der Gretchen-Tragödie bis zum antiken Drama der Helena-Handlung, mit Einflüssen von Volkstheater und Puppenbühne, Mysterienspiel und Zauberposse.

Wie könnte eine Musik bestehen neben der Kraft des Textes und der Popularität seiner geflügelten Worte? Wie klängen die zwei Seelen, ach, in der Brust oder der Augenblick, zum Verweilen schön? Würde des Pudels Kern in der Vertonung offenbar werden oder graue Theorie bleiben? Deutschsprachige Komponisten haben sich auf das Wagnis einer Faust-Oper nicht eingelassen, sondern es bei einer Ouvertüre (Richard Wagner), Szenen (Robert Schumann) und Liedvertonungen (Franz Schubert bis Paul Dessau) belassen. Jenseits der Grenzen hatte man weniger Scheu, nach den Franzosen Hector Berlioz (»La Damnation de Faust«, 1846) und Charles Gounod (»Faust«, 1859) nahm Arrigo Boito in Mailand das Mammutwerk in Angriff. Dabei war Boito der erste, der auch »der Tragödie Zweiten Teil« berücksichtigte und den Bogen vom Prolog im Himmel bis zu Fausts Tod schlug. Und mag der geänderte Titel irritieren, so kann man dem späteren Librettisten von Verdis »Otello« und »Falstaff« doch nicht vorwerfen, leichtfertig mit der Vorlage umgegangen zu sein. Im Gegenteil: In der Veröffentlichung seines Librettos wies Boito akribisch nach, wie und warum er den Text gekürzt hatte. Die Nähe zur Vorlage macht das Textbuch von »Mefistofele« zu einem modernen Libretto, das sich von der Poetik der Nummernoper befreit.

Doch die Premiere an der Mailänder Scala 1868 mit einer Spieldauer von über fünfeinhalb Stunden fiel durch; als Librettist, Komponist und Dirigent in einer Person war der 26-jährige Boito schlicht überfordert gewesen. Erst die gestraffte Neufassung von 1875 machte das Werk zu einem Erfolgsstück. In dieser Fassung tritt Boito uns heute noch als italienischer Opern-Reformer entgegen, der die Fülle des Faust-Stoffes vielgestaltig und mitreißend zum Klingen bringt, der Goethes Figuren in ihrem Symbolcharakter begreift und sie doch musikalisch in großartigen Rollenporträts konkretisiert.


Besetzung
Musikalische Leitung: Karen Kamensek
Choreinstudierung: Dan Ratiu

Chor der Staatsoper Hannover
Extrachor der Staatsoper Hannover
Kinderchor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover