Staatsoper Hannover, Foto: Marek Kruszewski
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Staatsoper Hannover - Niedersächsisches Staatstheater

Yamato Show (Foto: Masa Ogawa)
Yamato Show (Foto: Masa Ogawa)

Opernplatz 1
30195 Hannover
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Spielplan

Die Fledermaus

Johann Strauß
Staatsoper Hannover - Niedersächsisches Staatstheater
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	Wenn die Welt ins Wanken gerät, steigt die Lust auf den Rausch. Der tiefe Blick ins Glas ist ein, zumindest vorübergehend, wirksames Mittel, sich als Wankender wieder im Einklang mit der Welt zu wissen. Wo Identitäten nur noch behauptet werden, aber sich im Netz von Lebenslügen verflüchtigen, scheint die Maskerade ein Akt der Befreiung. Das Ungenügen am Alltag führt zum Sturz in ein Vergnügen, wo sich vermeintliche Chevaliers und ungarische Gräfinnen zusammenfinden, um wankend Arm in Arm den Augenblick der Aufhebung von Zeit, Raum und Standesunterschieden zu genießen. In solcherart Festen, in denen das aufrührerische »Alle Menschen werden Brüder« zum kindlich lallenden »Duidu« degeneriert, wirkt der glücklich machende Mechanismus des Vergessens in schwierigen Zeiten.<br />
	Ihr hintersinniger Witz und ihr musikalischer Schwung haben »Die Fledermaus« seit ihrer Uraufführung im Jahre 1874 zur beliebtesten Operette überhaupt gemacht. Ihre unvergleichliche Wirkung beruht wohl darauf, dass das Sujet die gesellschaftliche und psychologische Basis der Musik von Strauß, die Sehnsucht nach einem Zustand von Zeitlosigkeit, den Ausbruch in den Rausch, das taumelnde Vergessen, thematisiert und gleichzeitig – auf teilweise sehr schmerzhafte Art – ironisch bricht und an die kontrastierende Alltagsrealität kettet. Gerade im Moment höchster Seligkeit fällt die ironische Distanz: Der Mechanismus des Vergessens wird am eigenen Leibe erlebbar durch die Macht der Musik, die sich im Walzerrhythmus verselbständigt und zu sich selbst kommt und dabei die Handlung tatsächlich vorübergehend außer Kraft setzt. Indem Strauß auch das Publikum mittanzen lässt, wird der unweigerliche Absturz in die triste Alltäglichkeit umso jäher empfunden.<br />
	Die Lüge ist der einzige Weg zum Glücksgefühl, und das Ausleben von Träumen gelingt nur im Rollenspiel. Doch im Fest offenbart sich das verzerrte Abbild des wirklichen Lebens. Die bescheidenen Träume von Rang und Adel, Karriere und einem gelegentlichen Seitensprung sind zutiefst bürgerlich, und so wirkt die Maskerade letztlich demaskierend. Wenn die Zeit abgelaufen ist und der triste Alltag weitergeht – wie immer – führen die Ausschweifungen der Nacht allenfalls zu einer kurzfristigen Ehekrise, die aber bald beigelegt ist in der Verdrängung des Blicks in den Abgrund, denn »glücklich ist, wer vergisst«. Ein Schuldiger des Schwindelgefühls ist leicht gefunden: der Alkohol, dem gegenüber monarchistischer Gehorsam geschworen wird.</p>

Wenn die Welt ins Wanken gerät, steigt die Lust auf den Rausch. Der tiefe Blick ins Glas ist ein, zumindest vorübergehend, wirksames Mittel, sich als Wankender wieder im Einklang mit der Welt zu wissen. Wo Identitäten nur noch behauptet werden, aber sich im Netz von Lebenslügen verflüchtigen, scheint die Maskerade ein Akt der Befreiung. Das Ungenügen am Alltag führt zum Sturz in ein Vergnügen, wo sich vermeintliche Chevaliers und ungarische Gräfinnen zusammenfinden, um wankend Arm in Arm den Augenblick der Aufhebung von Zeit, Raum und Standesunterschieden zu genießen. In solcherart Festen, in denen das aufrührerische »Alle Menschen werden Brüder« zum kindlich lallenden »Duidu« degeneriert, wirkt der glücklich machende Mechanismus des Vergessens in schwierigen Zeiten.
Ihr hintersinniger Witz und ihr musikalischer Schwung haben »Die Fledermaus« seit ihrer Uraufführung im Jahre 1874 zur beliebtesten Operette überhaupt gemacht. Ihre unvergleichliche Wirkung beruht wohl darauf, dass das Sujet die gesellschaftliche und psychologische Basis der Musik von Strauß, die Sehnsucht nach einem Zustand von Zeitlosigkeit, den Ausbruch in den Rausch, das taumelnde Vergessen, thematisiert und gleichzeitig – auf teilweise sehr schmerzhafte Art – ironisch bricht und an die kontrastierende Alltagsrealität kettet. Gerade im Moment höchster Seligkeit fällt die ironische Distanz: Der Mechanismus des Vergessens wird am eigenen Leibe erlebbar durch die Macht der Musik, die sich im Walzerrhythmus verselbständigt und zu sich selbst kommt und dabei die Handlung tatsächlich vorübergehend außer Kraft setzt. Indem Strauß auch das Publikum mittanzen lässt, wird der unweigerliche Absturz in die triste Alltäglichkeit umso jäher empfunden.
Die Lüge ist der einzige Weg zum Glücksgefühl, und das Ausleben von Träumen gelingt nur im Rollenspiel. Doch im Fest offenbart sich das verzerrte Abbild des wirklichen Lebens. Die bescheidenen Träume von Rang und Adel, Karriere und einem gelegentlichen Seitensprung sind zutiefst bürgerlich, und so wirkt die Maskerade letztlich demaskierend. Wenn die Zeit abgelaufen ist und der triste Alltag weitergeht – wie immer – führen die Ausschweifungen der Nacht allenfalls zu einer kurzfristigen Ehekrise, die aber bald beigelegt ist in der Verdrängung des Blicks in den Abgrund, denn »glücklich ist, wer vergisst«. Ein Schuldiger des Schwindelgefühls ist leicht gefunden: der Alkohol, dem gegenüber monarchistischer Gehorsam geschworen wird.

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Wenn die Welt ins Wanken gerät, steigt die Lust auf den Rausch. Der tiefe Blick ins Glas ist ein, zumindest vorübergehend, wirksames Mittel, sich als Wankender wieder im Einklang mit der Welt zu wissen. Wo Identitäten nur noch behauptet werden, aber sich im Netz von Lebenslügen verflüchtigen, scheint die Maskerade ein Akt der Befreiung. Das Ungenügen am Alltag führt zum Sturz in ein Vergnügen, wo sich vermeintliche Chevaliers und ungarische Gräfinnen zusammenfinden, um wankend Arm in Arm den Augenblick der Aufhebung von Zeit, Raum und Standesunterschieden zu genießen. In solcherart Festen, in denen das aufrührerische »Alle Menschen werden Brüder« zum kindlich lallenden »Duidu« degeneriert, wirkt der glücklich machende Mechanismus des Vergessens in schwierigen Zeiten.

Ihr hintersinniger Witz und ihr musikalischer Schwung haben »Die Fledermaus« seit ihrer Uraufführung im Jahre 1874 zur beliebtesten Operette überhaupt gemacht. Ihre unvergleichliche Wirkung beruht wohl darauf, dass das Sujet die gesellschaftliche und psychologische Basis der Musik von Strauß, die Sehnsucht nach einem Zustand von Zeitlosigkeit, den Ausbruch in den Rausch, das taumelnde Vergessen, thematisiert und gleichzeitig – auf teilweise sehr schmerzhafte Art – ironisch bricht und an die kontrastierende Alltagsrealität kettet. Gerade im Moment höchster Seligkeit fällt die ironische Distanz: Der Mechanismus des Vergessens wird am eigenen Leibe erlebbar durch die Macht der Musik, die sich im Walzerrhythmus verselbständigt und zu sich selbst kommt und dabei die Handlung tatsächlich vorübergehend außer Kraft setzt. Indem Strauß auch das Publikum mittanzen lässt, wird der unweigerliche Absturz in die triste Alltäglichkeit umso jäher empfunden.

Die Lüge ist der einzige Weg zum Glücksgefühl, und das Ausleben von Träumen gelingt nur im Rollenspiel. Doch im Fest offenbart sich das verzerrte Abbild des wirklichen Lebens. Die bescheidenen Träume von Rang und Adel, Karriere und einem gelegentlichen Seitensprung sind zutiefst bürgerlich, und so wirkt die Maskerade letztlich demaskierend. Wenn die Zeit abgelaufen ist und der triste Alltag weitergeht – wie immer – führen die Ausschweifungen der Nacht allenfalls zu einer kurzfristigen Ehekrise, die aber bald beigelegt ist in der Verdrängung des Blicks in den Abgrund, denn »glücklich ist, wer vergisst«. Ein Schuldiger des Schwindelgefühls ist leicht gefunden: der Alkohol, dem gegenüber monarchistischer Gehorsam geschworen wird.


Besetzung
Musikalische Leitung: Siegmund Weinmeister
Inszenierung: Martin G. Berger
Bühne: Florian Parbs
Kostüme: Susanne Hubrich
Videodesign: Philipp Contag-Lada
Licht: Peter Hörtner
Choreographie: Katrin Helmerichs-Naujok
Choreinstudierung: Dan Ratiu
Dramaturgie: Klaus Angermann

Gabriel von Eisenstein: Tilmann Unger
Rosalinde: Rebecca Davis
Frank: Frank Schneiders
Prinz Orlofsky: Julie-Marie Sundal
Alfred: Sung-Keun Park
Dr. Falke: Stefan Adam
Dr. Blind: Gevorg Aperánts Hakobjan
Adele: Ania Vegry
Frosch: Steffen Scheumann
Ida: wird noch bekanntgegeben

Chor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover