Bayerische Staatsoper im Nationaltheater Mnchen, Foto: Wilfried Hsl
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Bayerische Staatsoper im Nationaltheater München

Bayerische Staatsoper im Nationaltheater München, Foto: Felix Loechner
Bayerische Staatsoper im Nationaltheater München, Foto: Felix Loechner
Tosca, Foto: Wilfried Hösl
Tosca, Foto: Wilfried Hösl

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80539 München
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Ballett von Richard Siegal

Richard Siegal
Bayerische Staatsoper im Nationaltheater München
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	Der Amerikaner Richard Siegal hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem der aufregendsten zeitgenössischen Choreographen entwickelt. Eine residence in der Muffathalle und die große Eröffnungspremiere zu DANCE 2008 CoPirates waren sein Einstieg in München. Dann folgten Gastspiele mit unterschiedlichen Stücken, sein Solo Black Swan und zuletzt im vergangenen Monat If/Then For Strings. Siegal, das kann und will er nicht verleugnen, kommt aus der künstlerischen Kaderschmiede von William Forsythe, ist also ein mutiger, unerschrockener und provokanter Denker und Künstler. Auf den großen Bühnen und mit den Spitzentänzern und -tänzerinnen des Staatsballetts arbeitet er mit dem Material der 80er Jahre und entwickelt es weiter: Virtuosität, Geschwindigkeit und Risiko. In seinem Aufsatz zu Unitxt beschreibt der Autor: "Wenn Siegal seine kraftgeladenen Tänzer buchstäblich von der Leine lässt, damit sie auf der Piste auf Kollisionskurs gehen, wenn es in seinen Worten darum geht, ‚die eigene Freiheit und Autonomie im Respekt zur Masse zu suchen, dann kommt einem das sehr vertraut vor. Es geht doch wie immer darum, sich vor dem Trott, dem Stumpfsinn, dem Gleichtakt zu retten. Es sind bei aller Selbstdisziplin ungeheuer freie, sich aus dem Ballett evaporierende Bewegungen, […]. Sie erscheinen frei und frisch, weil sie das Risiko suchen, indem etwa klassische Duos dazu dienen, weniger die Harmonie als das Aberwitzige der dabei gefundenen Konstellationen zu genießen. Das anzuschauen fühlt sich auch insgesamt eher an wie ein Ritt auf dem Snowboard, angefeuert noch von Beat Machines solcher Größen der Elektromusik wie alva noto/Carsten Nicolai oder Lorenzo Bianchi Hoesch.<br />
	Man mag ja denken, das sei nur modern. Aber choreografisch geht bei Siegal auch etwas sehr Zwangsläufiges mit der Geschwindigkeit einher: eine wie bei Hochwasser stetig anschwellende Komplexität, mit der das Wasser dem Druck zu entweichen sucht. Einer macht dies, der andere reagiert. Wie wiederum der erste reagieren wird oder auch andere sich verhalten werden, "das beruht natürlich nicht auf Regeln", sagt Siegal, "sonst wäre Kunst vorhersehbar. Kunst braucht aber gewisse Druckverhältnisse", einen Behälter wie eine Bühne, sogar gewisse Konventionen, in denen die Kunst existiert, "denn das Ziel der Kunst ist es ja, den Raum zu öffnen, um dem Publikum eine größere Autonomie zu schenken". Wenn-Dann: Wenn keine Freiheit, dann auch keine Bewegung in den Köpfen der Zuschauer.</p>

Der Amerikaner Richard Siegal hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem der aufregendsten zeitgenössischen Choreographen entwickelt. Eine residence in der Muffathalle und die große Eröffnungspremiere zu DANCE 2008 CoPirates waren sein Einstieg in München. Dann folgten Gastspiele mit unterschiedlichen Stücken, sein Solo Black Swan und zuletzt im vergangenen Monat If/Then For Strings. Siegal, das kann und will er nicht verleugnen, kommt aus der künstlerischen Kaderschmiede von William Forsythe, ist also ein mutiger, unerschrockener und provokanter Denker und Künstler. Auf den großen Bühnen und mit den Spitzentänzern und -tänzerinnen des Staatsballetts arbeitet er mit dem Material der 80er Jahre und entwickelt es weiter: Virtuosität, Geschwindigkeit und Risiko. In seinem Aufsatz zu Unitxt beschreibt der Autor: "Wenn Siegal seine kraftgeladenen Tänzer buchstäblich von der Leine lässt, damit sie auf der Piste auf Kollisionskurs gehen, wenn es in seinen Worten darum geht, ‚die eigene Freiheit und Autonomie im Respekt zur Masse zu suchen, dann kommt einem das sehr vertraut vor. Es geht doch wie immer darum, sich vor dem Trott, dem Stumpfsinn, dem Gleichtakt zu retten. Es sind bei aller Selbstdisziplin ungeheuer freie, sich aus dem Ballett evaporierende Bewegungen, […]. Sie erscheinen frei und frisch, weil sie das Risiko suchen, indem etwa klassische Duos dazu dienen, weniger die Harmonie als das Aberwitzige der dabei gefundenen Konstellationen zu genießen. Das anzuschauen fühlt sich auch insgesamt eher an wie ein Ritt auf dem Snowboard, angefeuert noch von Beat Machines solcher Größen der Elektromusik wie alva noto/Carsten Nicolai oder Lorenzo Bianchi Hoesch.
Man mag ja denken, das sei nur modern. Aber choreografisch geht bei Siegal auch etwas sehr Zwangsläufiges mit der Geschwindigkeit einher: eine wie bei Hochwasser stetig anschwellende Komplexität, mit der das Wasser dem Druck zu entweichen sucht. Einer macht dies, der andere reagiert. Wie wiederum der erste reagieren wird oder auch andere sich verhalten werden, "das beruht natürlich nicht auf Regeln", sagt Siegal, "sonst wäre Kunst vorhersehbar. Kunst braucht aber gewisse Druckverhältnisse", einen Behälter wie eine Bühne, sogar gewisse Konventionen, in denen die Kunst existiert, "denn das Ziel der Kunst ist es ja, den Raum zu öffnen, um dem Publikum eine größere Autonomie zu schenken". Wenn-Dann: Wenn keine Freiheit, dann auch keine Bewegung in den Köpfen der Zuschauer.


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Der Amerikaner Richard Siegal hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem der aufregendsten zeitgenössischen Choreographen entwickelt. Eine residence in der Muffathalle und die große Eröffnungspremiere zu DANCE 2008 CoPirates waren sein Einstieg in München. Dann folgten Gastspiele mit unterschiedlichen Stücken, sein Solo Black Swan und zuletzt im vergangenen Monat If/Then For Strings. Siegal, das kann und will er nicht verleugnen, kommt aus der künstlerischen Kaderschmiede von William Forsythe, ist also ein mutiger, unerschrockener und provokanter Denker und Künstler. Auf den großen Bühnen und mit den Spitzentänzern und -tänzerinnen des Staatsballetts arbeitet er mit dem Material der 80er Jahre und entwickelt es weiter: Virtuosität, Geschwindigkeit und Risiko. In seinem Aufsatz zu Unitxt beschreibt der Autor: "Wenn Siegal seine kraftgeladenen Tänzer buchstäblich von der Leine lässt, damit sie auf der Piste auf Kollisionskurs gehen, wenn es in seinen Worten darum geht, ‚die eigene Freiheit und Autonomie im Respekt zur Masse zu suchen, dann kommt einem das sehr vertraut vor. Es geht doch wie immer darum, sich vor dem Trott, dem Stumpfsinn, dem Gleichtakt zu retten. Es sind bei aller Selbstdisziplin ungeheuer freie, sich aus dem Ballett evaporierende Bewegungen, […]. Sie erscheinen frei und frisch, weil sie das Risiko suchen, indem etwa klassische Duos dazu dienen, weniger die Harmonie als das Aberwitzige der dabei gefundenen Konstellationen zu genießen. Das anzuschauen fühlt sich auch insgesamt eher an wie ein Ritt auf dem Snowboard, angefeuert noch von Beat Machines solcher Größen der Elektromusik wie alva noto/Carsten Nicolai oder Lorenzo Bianchi Hoesch.

Man mag ja denken, das sei nur modern. Aber choreografisch geht bei Siegal auch etwas sehr Zwangsläufiges mit der Geschwindigkeit einher: eine wie bei Hochwasser stetig anschwellende Komplexität, mit der das Wasser dem Druck zu entweichen sucht. Einer macht dies, der andere reagiert. Wie wiederum der erste reagieren wird oder auch andere sich verhalten werden, "das beruht natürlich nicht auf Regeln", sagt Siegal, "sonst wäre Kunst vorhersehbar. Kunst braucht aber gewisse Druckverhältnisse", einen Behälter wie eine Bühne, sogar gewisse Konventionen, in denen die Kunst existiert, "denn das Ziel der Kunst ist es ja, den Raum zu öffnen, um dem Publikum eine größere Autonomie zu schenken". Wenn-Dann: Wenn keine Freiheit, dann auch keine Bewegung in den Köpfen der Zuschauer.


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